Reihe · Teil 5 von 11 Phase 2 · Befähigung · Zeithorizont: laufend, nie abgeschlossen

AI Literacy.
Alle mitnehmen.

Champions ziehen voran. Damit daraus kein Graben wird, muss der Rest mit. AI Literacy ist die Arbeit, niemanden zurückzulassen, vom Einstieg bis zur Geschäftsführung.

Seit Februar 2025 ist Befähigung außerdem Pflicht, nicht mehr nur gute Idee.

01 · Der Einstieg

In jedem Training sitzt die ganze Bandbreite

Die Champions aus dem vorigen Teil tragen KI in die Teams. Damit das gelingt, braucht es eine gemeinsame Grundkompetenz. Auch das gehört zur Breite: alle mitnehmen, von der ersten Stunde bis zur Führung.

Wer Trainings gibt, kennt das Bild. In einem Raum sitzen Menschen, die schon eigene Agents bauen, neben Menschen, die noch zögern, einen ersten Prompt zu schreiben. Dieselbe Stunde, dieselben Folien, und am Ende nimmt jeder etwas völlig anderes mit.

Genau das ist die Herausforderung von AI Literacy. Es geht nicht um eine Schulung für alle, sondern darum, jeden dort abzuholen, wo er steht. Sonst zieht die eine Hälfte davon und die andere fühlt sich abgehängt. Und Abgehängte werden zu Skeptikern.

„Eine Schulung für alle erreicht am Ende oft niemanden ganz.“

02 · Meine These

Literacy ist ein Dauerzustand, kein Termin

AI Literacy ist nicht das eine große Onboarding, nach dem alle Bescheid wissen. Das Feld verändert sich zu schnell, das Wissen von heute ist in einem halben Jahr halb veraltet. Befähigung ist deshalb ein Dauerzustand, kein Termin im Kalender.

Und sie gilt für alle. Für die Einsteigerin genauso wie für die Geschäftsführung. Gerade die Führung lernt am besten mit, denn wer KI selbst nutzt, entscheidet sicherer darüber. Niemand bleibt zurück heißt wirklich niemand, von unten bis oben.

Befähigung ist für mich kein Termin, den man abhakt, sondern eher eine Gewohnheit, die man pflegt.

03 · Einordnung

Lernen ist Vorteil, und inzwischen Pflicht

Lernen ist der eigentliche Vorteil. Die Halbwertszeit von Fähigkeiten sinkt, und die Organisationen, die am schnellsten lernen, verlernen und neu lernen, kommen am weitesten. Gerade die Geschäftsführung sollte sich selbst auf eine Lernreise begeben, statt das Thema zu delegieren. Auch das AI Transformation Manifesto von McKinsey hebt genau das hervor.

Seit Februar 2025 kommt eine zweite Ebene dazu. Die AI-Literacy-Pflicht aus Artikel 4 des EU AI Act verlangt, dass Unternehmen für ausreichende KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten sorgen. Sie gilt bereits, ab August 2026 greifen zusätzlich die Aufsichts- und Sanktionsregeln. Befähigung ist damit nicht mehr nur kluge Strategie, sondern auch regulatorische Anforderung.

Pflicht und Vorteil fallen hier zusammen. Wer AI Literacy ernst nimmt, erfüllt die Vorgabe und baut zugleich den Vorsprung, von dem das Manifesto spricht.
04 · Wie es konkret aussieht

Viele Formate statt einer Pflichtschulung

Format 01
Praxisnahe Trainings

Kurze, konkrete Einheiten am echten Arbeitsalltag, nicht am abstrakten Beispiel. Lieber oft und klein als einmal und groß.

Format 02
Sharing-Formate

Räume, in denen Menschen zeigen, was sie gebaut haben. Voneinander lernen schlägt Frontalunterricht.

Format 03
Ein Zertifizierungspfad

Eine sichtbare Lernreise mit Stufen gibt Orientierung und Anerkennung, und macht Fortschritt messbar.

Format 04
Lernen für die Führung

Eine eigene Lernreise für das Leadership-Team, damit die Führung versteht, worüber sie entscheidet.

Getragen wird das vom Ambassador-Netzwerk aus dem letzten Teil. Die Champions multiplizieren die Formate in ihre Bereiche, und die Trainings füllen umgekehrt das Netzwerk mit neuen Mitstreitern. Befähigung und Netzwerk verstärken sich gegenseitig.

Aus der Praxis · Langdock-Rollout

Unsere Formate für die Befähigung:

  • Zum Start und zu jedem großen Thema ein Training für alle, als Teams-Meeting mit Aufzeichnung. Workflows gab es wegen des Hands-on-Charakters in einem eigenen Termin.
  • AI Breakfast: Kolleginnen und Kollegen zeigen ihre Use Cases, Agenten und Prompts, die gut laufen.
  • AI Werkstatt: Das Enablement-Team schult zu KI-Themen und neuen Langdock-Features.
  • Dazu ein interner Zertifizierungspfad, ein Hackathon, Coaching-Sessions bei Onsites, und wir teilen regelmäßig gute Webinare von außen.
05 · Der ehrliche Gegenpunkt

Pflicht verführt zum Häkchen

Seit es die Schulungspflicht gibt, sehe ich eine neue Gefahr. Manche Häuser buchen ein E-Learning, lassen alle einmal durchklicken und haken AI Literacy ab. Damit ist die Vorgabe erfüllt und nichts gewonnen. Ein Klick durch ein Video macht niemanden fähig.

Echte Befähigung ist unbequemer. Sie ist rollenspezifisch, sie wiederholt sich, sie kostet Zeit im Alltag. Genau deshalb gehört sie in die Hand einer Rolle, die das Thema verantwortet, und nicht in einen einmaligen Compliance-Termin. Die Pflicht ist der Anlass, nicht das Ziel.

Ein Häkchen im System sagt noch wenig über echte Kompetenz.

Das Framework in Kürze
01Jeden abholen, wo er steht. Vom Einstieg bis zur Führung.
02Dauerzustand, kein Termin. Das Feld verändert sich zu schnell zum Abhaken.
03Viele Formate. Trainings, Sharing, Zertifizierung, Lernreise für die Führung.
04Seit Februar 2025 Pflicht. Aber ein Häkchen ist noch keine Kompetenz.

Lernt bei euch die ganze Bandbreite, auch die Führung?

Wie haltet ihr Befähigung lebendig, statt sie abzuhaken? Ich tausche mich gern dazu aus.

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