In jedem Training sitzt die ganze Bandbreite
Die Champions aus dem vorigen Teil tragen KI in die Teams. Damit das gelingt, braucht es eine gemeinsame Grundkompetenz. Auch das gehört zur Breite: alle mitnehmen, von der ersten Stunde bis zur Führung.
Wer Trainings gibt, kennt das Bild. In einem Raum sitzen Menschen, die schon eigene Agents bauen, neben Menschen, die noch zögern, einen ersten Prompt zu schreiben. Dieselbe Stunde, dieselben Folien, und am Ende nimmt jeder etwas völlig anderes mit.
Genau das ist die Herausforderung von AI Literacy. Es geht nicht um eine Schulung für alle, sondern darum, jeden dort abzuholen, wo er steht. Sonst zieht die eine Hälfte davon und die andere fühlt sich abgehängt. Und Abgehängte werden zu Skeptikern.
„Eine Schulung für alle erreicht am Ende oft niemanden ganz.“
Literacy ist ein Dauerzustand, kein Termin
AI Literacy ist nicht das eine große Onboarding, nach dem alle Bescheid wissen. Das Feld verändert sich zu schnell, das Wissen von heute ist in einem halben Jahr halb veraltet. Befähigung ist deshalb ein Dauerzustand, kein Termin im Kalender.
Und sie gilt für alle. Für die Einsteigerin genauso wie für die Geschäftsführung. Gerade die Führung lernt am besten mit, denn wer KI selbst nutzt, entscheidet sicherer darüber. Niemand bleibt zurück heißt wirklich niemand, von unten bis oben.
Befähigung ist für mich kein Termin, den man abhakt, sondern eher eine Gewohnheit, die man pflegt.
Lernen ist Vorteil, und inzwischen Pflicht
Lernen ist der eigentliche Vorteil. Die Halbwertszeit von Fähigkeiten sinkt, und die Organisationen, die am schnellsten lernen, verlernen und neu lernen, kommen am weitesten. Gerade die Geschäftsführung sollte sich selbst auf eine Lernreise begeben, statt das Thema zu delegieren. Auch das AI Transformation Manifesto von McKinsey hebt genau das hervor.
Seit Februar 2025 kommt eine zweite Ebene dazu. Die AI-Literacy-Pflicht aus Artikel 4 des EU AI Act verlangt, dass Unternehmen für ausreichende KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten sorgen. Sie gilt bereits, ab August 2026 greifen zusätzlich die Aufsichts- und Sanktionsregeln. Befähigung ist damit nicht mehr nur kluge Strategie, sondern auch regulatorische Anforderung.
Viele Formate statt einer Pflichtschulung
Kurze, konkrete Einheiten am echten Arbeitsalltag, nicht am abstrakten Beispiel. Lieber oft und klein als einmal und groß.
Räume, in denen Menschen zeigen, was sie gebaut haben. Voneinander lernen schlägt Frontalunterricht.
Eine sichtbare Lernreise mit Stufen gibt Orientierung und Anerkennung, und macht Fortschritt messbar.
Eine eigene Lernreise für das Leadership-Team, damit die Führung versteht, worüber sie entscheidet.
Getragen wird das vom Ambassador-Netzwerk aus dem letzten Teil. Die Champions multiplizieren die Formate in ihre Bereiche, und die Trainings füllen umgekehrt das Netzwerk mit neuen Mitstreitern. Befähigung und Netzwerk verstärken sich gegenseitig.
Unsere Formate für die Befähigung:
- Zum Start und zu jedem großen Thema ein Training für alle, als Teams-Meeting mit Aufzeichnung. Workflows gab es wegen des Hands-on-Charakters in einem eigenen Termin.
- AI Breakfast: Kolleginnen und Kollegen zeigen ihre Use Cases, Agenten und Prompts, die gut laufen.
- AI Werkstatt: Das Enablement-Team schult zu KI-Themen und neuen Langdock-Features.
- Dazu ein interner Zertifizierungspfad, ein Hackathon, Coaching-Sessions bei Onsites, und wir teilen regelmäßig gute Webinare von außen.
Pflicht verführt zum Häkchen
Seit es die Schulungspflicht gibt, sehe ich eine neue Gefahr. Manche Häuser buchen ein E-Learning, lassen alle einmal durchklicken und haken AI Literacy ab. Damit ist die Vorgabe erfüllt und nichts gewonnen. Ein Klick durch ein Video macht niemanden fähig.
Echte Befähigung ist unbequemer. Sie ist rollenspezifisch, sie wiederholt sich, sie kostet Zeit im Alltag. Genau deshalb gehört sie in die Hand einer Rolle, die das Thema verantwortet, und nicht in einen einmaligen Compliance-Termin. Die Pflicht ist der Anlass, nicht das Ziel.
Ein Häkchen im System sagt noch wenig über echte Kompetenz.
McKinsey, The AI transformation manifesto (April 2026), zum Lernen als Wettbewerbsvorteil.
EU AI Act, Artikel 4 (AI-Literacy-Pflicht, anwendbar seit Februar 2025, Durchsetzung ab August 2026), Überblick zur Schulungspflicht.
Lernt bei euch die ganze Bandbreite, auch die Führung?
Wie haltet ihr Befähigung lebendig, statt sie abzuhaken? Ich tausche mich gern dazu aus.
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