Reihe · Teil 3 von 11 Phase 2 · Befähigung · der menschliche Faden

Mitnehmen,
nicht überrollen.

Das Fundament steht. Jetzt beginnt die Befähigung, und sie fängt nicht bei den Werkzeugen an, sondern bei den Menschen. Denn eine KI-Transformation ist im Kern eine Menschen-Transformation.

Über den Satz „Das mach ich lieber selbst“, über die KI-Angst, und wie aus Zurückhaltung Neugier wird.

01 · Der Einstieg

„Das mach ich lieber selbst, das kann ich besser“

Einen Satz dieser Art habe ich einmal gehört, und wahrscheinlich denken ihn noch viele. Er klingt nach Selbstbewusstsein, und meistens steckt etwas anderes dahinter. Manchmal das Misstrauen, ob die KI das wirklich kann. Manchmal die leise Sorge um den eigenen Job. Und manchmal ein echter Einwand, dem es sich lohnt nachzugehen.

Wichtig ist, was danach passiert. Diese Person gehört nicht aufs Abstellgleis. Sie gehört an den Tisch.

„Was nach Widerstand aussieht, ist oft nur eine unausgesprochene Frage, eine Angst oder ein Bedenken.“

02 · Meine These

Mit den Menschen, nicht über sie hinweg

Adoption stockt selten an der Technik. Sie stockt an einem Gefühl. Für mich, und da kommt die Wirtschaftspsychologin durch, heißt die Arbeit deshalb: mit den Menschen arbeiten, nicht über sie hinweg. Das Ausprobieren sicher machen. Sicher heißt, hier blamiert sich niemand, Fehler sind eingeplant, und wer ganz vorne anfängt, bekommt Begleitung statt Blicke. Manchmal reicht ein gemeinsamer Termin, manchmal braucht es ein Einzelcoaching. Beides schafft dieselbe Sache, eine Vertrauensbasis.

Menschen probieren KI dann aus, wenn es sich sicher anfühlt, sie noch nicht zu können.

03 · Einordnung

Die Arbeit verschwindet nicht, sie verschiebt sich

Die Boston Consulting Group bringt es mit der Faustregel 10, 20, 70 auf den Punkt. Rund 70 Prozent des Erfolgs hängen an Menschen und Prozessen. Das AI Transformation Manifesto von McKinsey nennt jede Technologie-Transformation am Ende eine Menschen-Transformation.

Hinter der Job-Sorge steckt eine Frage, die man ehrlich beantworten kann. Das World Economic Forum rechnet bis 2030 mit rund 170 Millionen neuen und 92 Millionen wegfallenden Stellen, netto also einem deutlichen Plus, und damit, dass sich etwa 39 Prozent der gefragten Fähigkeiten verändern. Der PwC Global AI Jobs Barometer 2025 zeigt die andere Seite derselben Medaille. Rollen, die KI-Kompetenz verlangen, wachsen schneller und werden im Schnitt deutlich besser bezahlt.

Und etwas, das viele unterschätzen. Die KI-Angst betrifft nicht nur die Zögernden. Auch Menschen, die KI längst nutzen, tragen sie mit sich. Mehr dazu in meinem Artikel zur KI-Angst.

Verschiebung statt Verlust. Wer offen mit KI umgeht, wird gesucht, nicht ersetzt.
04 · Wie es konkret aussieht

Im kleinen Rahmen ausprobieren, in zwei Richtungen

Überzeugen lässt sich niemand. Einladen schon. Deshalb arbeite ich im Kleinen und an echten Aufgaben, statt mit Präsentationen.

Hebel 01
Selbst bauen lassen

In einem Workshop oder kleinen Team baut die skeptische Person selbst einen kleinen Agenten, angebunden an Confluence oder die E-Mail. Ein, zwei echte Use Cases. Sie sieht mit eigenen Augen, was geht.

Hebel 02
Ehrlich über die Grenzen

Ich zeige nicht nur, was klappt, sondern auch, was die KI nicht zu hundert Prozent kann und was es braucht, damit es läuft. Das baut mehr Vertrauen als jede Hochglanz-Demo.

Hebel 03
Die Kompetenz wertschätzen

Das hier ist deine Arbeit und dein Können. Die Routine darin nimmt dir die KI ab, damit mehr Zeit für das bleibt, was nur du kannst.

Hebel 04
Voneinander sehen

Wenn Kolleginnen und Kollegen zeigen, was sie gebaut haben, verschwindet das Gefühl, alle anderen seien schon viel weiter. Genau das hält viele vom Anfangen ab.

Und es braucht zwei Richtungen. Von unten die Sicherheit, die Vorbilder und das Coaching, bis hin zum Einzelcoaching, damit sich niemand blamiert. Von oben eine klare Erwartung der People Leads: Wir arbeiten hier mit KI. Erst dieser Anstoß bringt manche dazu, überhaupt hinzuschauen. Und wenn das in einem sicheren Rahmen passiert, wird aus dem Müssen oft ein Wollen. Das ist Aufgabe der Führung, nicht nur des Enablement-Teams.

Der erste Schritt ist für mich immer derselbe. Ausprobieren und AI Literacy aufbauen. Erst wer versteht, was funktioniert, kann visionär denken, wie sich die eigene Arbeit umstellen lässt. Perfekt muss am Anfang nichts sein. An genau diesem Anspruch scheitern viele Pilotversuche. Ausprobieren darf auch Spaß machen.

Aus der Praxis · Langdock-Rollout

Wie ich Menschen mitgenommen habe:

  • Skeptiker binde ich in Workshops aktiv ein: einfach mal ausprobieren. Oft kommt genau dann der Aha-Moment. Wer sich im großen Kreis nicht traut, bekommt eine Einzelsession.
  • Am Anfang setze ich auf die Befürworter. Je mehr sie teilen, was sie gebaut oder gelöst haben, desto offener werden die anderen.
  • Ich hype KI nicht. Ich sage offen, dass sie noch nicht alles perfekt macht, und trainiere, was sie richtig gut kann. Der Mensch bleibt wichtig.
  • Wir arbeiten an echten Projekten und zeigen kleine Erfolge. Das nimmt die Angst. Und KI ist nur so gut wie der Kontext und die Anweisung, die sie bekommt.
05 · Der ehrliche Gegenpunkt

Nicht jede Sorge ist unbegründet

Skepsis lässt sich nicht wegtrainieren, und das soll sie auch nicht. Manche Sorge ist berechtigt. Rollen verändern sich wirklich, manche Aufgabe fällt weg. Wer das schönredet, verliert das Vertrauen schneller, als er es aufbaut.

Ehrlich mitnehmen heißt deshalb, offen über die Verschiebung zu reden. Deine Arbeit wird nicht weniger wert, sie verteilt sich neu, und daraus entstehen oft Möglichkeiten, etwas anderes zu machen und zu wachsen. KI ist für mich keine Option mehr, die man hat oder lässt. Sie kommt. Wer früh dabei ist, gestaltet mit, statt hinterherzulaufen.

Am Ende entscheidet nicht, wie gut die Technik ist, sondern wie sicher sich die Menschen fühlen, sie zu benutzen.

Quellen

McKinsey, The AI transformation manifesto (April 2026), zur Menschen-Transformation.

BCG, AI Transformation Is a Workforce Transformation (2026), zur Faustregel 10, 20, 70.

World Economic Forum, Future of Jobs Report 2025, 170 Mio. neue und 92 Mio. wegfallende Stellen bis 2030.

PwC, Global AI Jobs Barometer 2025, Lohnaufschlag und schnelleres Wachstum für KI-Kompetenz.

Amy Edmondson, The Fearless Organization (2019), zum Konzept der psychologischen Sicherheit.

Das Framework in Kürze
01„Das mach ich lieber selbst“ ist eine Einladung, kein Schlusspunkt.
02Im kleinen, sicheren Rahmen selbst bauen lassen, an echten Use Cases.
03Zwei Richtungen. Sicherheit und Coaching von unten, klare Erwartung von oben.
04Ehrlich über die Verschiebung reden. Arbeit verschwindet nicht, sie verteilt sich.

Wie geht ihr mit der leisen Skepsis um, die nie laut wird?

Mich interessiert, wie ihr die Stillen mitnehmt. Schreib mir.

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