Der Name ist das kleinste Problem
Mir begegnet immer wieder dieselbe Frage. Heißt das jetzt AI Enablement, KI-Transformation oder KI-Adoption? Jedes Unternehmen nennt es anders, fast jede Beraterin hat ihren Lieblingsbegriff.
Ich verstehe, woher die Unsicherheit kommt. Sie führt nur in die falsche Richtung. Wer zu lange über das richtige Wort nachdenkt, verschiebt den Anfang.
Hinter allen drei Begriffen steckt dieselbe Aufgabe. Menschen befähigen, mit KI zu arbeiten. Prozesse so umbauen, dass aus Nutzung Wirkung wird. Ob du das Enablement nennst oder Transformation, ändert daran nichts. Von Adoption zu Impact, darum geht es.
Das Thema muss keinen perfekten Namen haben, bevor es anfangen darf.
Woran es wirklich hängt, ist die Zeit
Ich spreche viel mit Unternehmen, die noch am Anfang stehen. Wenn ich frage, was sie aufhält, höre ich selten etwas über die Technik. Und fast nie zuerst über das Budget. Der größte Faktor, den sie mir nennen, ist die Zeit.
Laut der Bitkom-KI-Studie 2026 nutzen 41 Prozent der Unternehmen in Deutschland KI aktiv. 2024 waren es noch 17 Prozent. Die Kurve steigt steil. Trotzdem bleiben viele auf halber Strecke stehen.
Sich in KI einzuarbeiten ist ein Invest. Zu verstehen, wie die Lösungen funktionieren und wie du selbst etwas damit baust, kostet erst einmal Zeit, bevor es etwas zurückgibt. Diese Zeit muss ein Unternehmen geben. Sonst passiert das Thema zwischen Tür und Angel. Und dann passiert es nicht.
Warum die KI-Transformation eine eigene Rolle braucht
Bei uns sind wir aus einem Grund schon recht weit. Zwei Menschen arbeiten dediziert an dem Thema. Sie haben die Zeit dafür, sie sind die zentrale Anlaufstelle, sie geben Trainings. Sie arbeiten sich in die regulatorischen Fragen ein und in die Landschaft der Lösungen. Wir sind das strategisch und systematisch angegangen und haben ein AI Operating Model aufgesetzt.
Seitdem machen wir deutliche Sprünge. Nicht weil wir über Nacht klüger geworden sind, sondern weil es koordiniert läuft. Man kann Dinge nachfassen. Es geht nicht im Arbeitsalltag unter.
Eine Vertrauensperson, an die die Belegschaft herantreten kann. Auch mit den kleinen Fragen, die sonst niemand stellt.
Nicht nur Wissen weitergeben, sondern Menschen einzeln dort abholen, wo sie gerade stehen.
Die rechtlichen Fragen verstehen und Leitplanken setzen, damit alle sicher arbeiten können.
Den Markt im Blick behalten und herausfinden, was wirklich zum Unternehmen passt.
Ein Ambassador-Netzwerk, das KI in die Teams trägt und Erfahrungen zurückspielt.
Die Prozesse im Überblick behalten und zeigen, wo es langgeht. Immer zusammen mit den Fachabteilungen.
Diese Person macht vieles. Aber nie allein. Sie arbeitet mit den Fachabteilungen, nicht an ihnen vorbei.
In Lösungen zu investieren reicht nicht
Viele Unternehmen investieren in Lizenzen und hoffen, dass sich der Rest von selbst ergibt. Meine Erfahrung ist eine andere. Die Lizenz ist der kleinere Teil. Der größere ist der Mensch, der die Einführung begleitet. Genau in diese Person muss ein Unternehmen auch investieren, nicht nur in die Lösung.
Ein Beispiel aus unserer Praxis. Es lag nahe, den Microsoft Copiloten auszurollen, weil er ohnehin im Paket dabei war. Wir haben trotzdem geprüft, was für uns die bessere Lösung ist. Nach einer Einführung mit Langdock haben wir die Belegschaft mitentscheiden lassen. Gemeinsam, als Team. Das funktioniert gut.
Die naheliegende Lösung ist nicht automatisch die richtige.
Eine Rolle, vielleicht ein ganzes Team
Ob du es AI Enablement nennst oder KI-Transformation, ist mir am Ende gleich. Wichtig ist, dass jemand die Verantwortung trägt und die Zeit bekommt, sie auszufüllen. Eine Rolle, bei größeren Häusern auch ein ganzes Team. Mit direktem Draht zur Führung und mit offenem Ohr für die Belegschaft.
Jede Tech-Transformation ist eine Menschen-Transformation. Sie fängt damit an, dass ein Mensch dafür Zeit bekommt.
Bitkom, Künstliche Intelligenz in Deutschland (Studienbericht 2026), Anteil der Unternehmen, die KI aktiv nutzen.
Wer hat bei euch die Zeit für dieses Thema?
Ich bin neugierig, wie ihr das gelöst habt. Eigene Rolle, Team, oder läuft es nebenbei mit? Ich tausche mich gern aus.
Maria Knapp verantwortet AI Enablement bei der Xempus AG und begleitet die unternehmensweite KI-Transformation, von der Strategie über AI Literacy bis zu produktiven Agents. Wirtschaftspsychologin, Managerin für Applied AI Transformation (IHK). Sie schreibt über das, was sie in der Praxis lernt.
